Moin JPSFS,
habe mit Interesse deinen Schriftwechsel mit den „heiligen Hallen“ in Köln gelesen. Obwohl ich zu diesem leidigen Batterie-Thema mich nicht mehr groß äußern wollte, brennt es mir jetzt doch unter den Nägeln.
Ich glaube schon, dass die Kölner genau wissen, dass die Batterie nur das Symptom, aber nicht das primäre Problem ist. Leider kommunizieren das nicht offen und speisen uns teilweise mit vorformulierten Textbausteinen ab.
Wir wissen, dass unsere Vor-Facelift-CC die Abgasnorm Euro 6d-ISC-FCM erfüllen müssen, die Facelift-Modelle sogar Euro 6e. Vor diesem Hintergrund geht es den Herstellern um Effizienz ihrer Fahrzeuge. Für einzelne Fahrzeuge mögen das nur sehr geringe Werte sein, aber hier wird bei der Typgenehmigung die gesamte Fahrzeugflotte betrachtet. Insofern ist nachvollziehbar, als das Batterie-Management-System (BMS) so programmiert wird, um eine möglichst hohe Effizienz zu gewährleisten.
Und, dass wir im CC ein intelligentes BMS haben, erkennt man unweigerlich am elektronischen Batteriesensor (ESB) am Minuspol der Batterie. Durch den Sensor kennt das BMS den Batteriezustand, misst die Temperatur und steuert Ladespannung, Ladestrom und Zyklus des Ladens entsprechend. Dabei wird die Batterie im Normalbetrieb auf wohl maximal 80 % der Batteriekapazität geladen - oder je nach BMS sogar viel weniger. Man macht das so, damit der DC-DC-Wandler überschüssige Energie als hohen Ladestrom der Starterbatterie zuführen kann, wie z.B. im Schubbetrieb und / oder beim Bremsen. Würde man das nicht so regeln, hätte die 12-Volt-Batterie für die Rekuperationsenergie keine Kapazität mehr frei. Aber auf diese überschüssige Energie zu verzichten, würde wiederum Auswirkungen auf die Effizienzquote haben. Eigentlich doch ganz logisch, nur wissen wir nicht, wie die Toyota-Ingenieure das jeweilige BMS entsprechend programmiert haben. Aber grundsätzlich verschärft diese Laderegelung die Batterieproblematik, gerade für Wenigfahrer:innen. Ein dauerhaft niedriger Ladezustand schadet der Batterie und es kommt zu einer sog. Säureschichtung, die zu einer Sulfatierung führt. Eine Sulfatierung führt zu irreversible Schäden an der Batterie und Kapazitätsverlust, die letztlich zum frühzeitigen Totalausfall der Batterie führen. Ist die dazu die Batterie auch nicht die qualitativ beste oder einfach zu klein bemessen, ist sie noch schneller tot. Deshalb wurde in 02-2024 auch seitens Toyota ein Batterieaustausch bei den Modellen Yaris und Yaris Cross durch geführt (sh. dazu: Stellungnahme Toyota zur ADAC-Pannenstatistik 2025).
Das Upgrade auf eine stärkere Batterie hat lt. meines Garagennachbarn auch nicht viel gebracht, denn sein Yaris Cross ist in diesem Jahr bereits viermal nicht gestartet. Demzufolge wird auch eine 12-Volt-Batterie mit höherer Kapazität nicht viel ändern, denn sie ereilt wohl das gleiche Schicksal, wie fast aller Batterien - mit Verzögerung.
Es wäre m.E. seitens Toyota kundenfreundlich, hier mit mehr Offenheit zu argumentieren, was zu mehr technischen Verständnis und Vertrauen beitragen würde. Stattdessen wird immer wieder auf Batterieteste durch den FTH verwiesen, sowie nach der „Vogel-Strauß-Politik“ auf ein nicht ausreichendes Fahrprofil mit unregelmäßiger Fahrzeugnutzung, mit längeren Standzeiten oder überwiegendem Kurzstreckenbetrieb mit evtl. gleichzeitiger Nutzung einer großen Anzahl von elektrischen Verbrauchern hingewiesen.
Auch die Empfehlung das Fahrzeug an ein geeignetes Batterieladegerät anzuschließen, welches die Batterie lädt und somit deren Bereitschaft erhält, hätten die Kollegen/innen des betreuenden Toyota-Autohauses schon im Beratungsgespräch vor Kauf des Fahrzeugs einbringen sollen, dann hätte man gewusst, was kommen kann. Und was machen die vielen Fahrzeugnutzer, die gar keine technischen Möglichkeiten haben, ein solches Batterieladegerät anzuschließen.
Aber während wir uns aufregen und ärgern, sind für Taxi- und Uber-Fahrer:innen die Corollas wohl perfekte Arbeitsgeräte und stille Stars Das Uber-Auto. Auch unser VFL-CC wird immer mehr als Taxi genutzt, und das anscheinend ohne unsere Batterie-Probleme. Dazu noch im überwiegenden Kurzstreckenverkehr im urbanen Umfeld. Und, dass diese Fahrzeuge am Batterieladegerät hängen, habe ich hier vor Ort noch nicht gesehen. Vielleicht hilft einfach nur das Taxi-Schild auf dem Dach. Aber ich werde einmal meinen FTH fragen, ob er die gleichen Beobachtungen gemacht hat, denn er hat viele Taxen im Bestand.
So und jetzt bin ich gespannt, ob mein Nicht-Taxi-CC morgen früh anspringt, denn hat jetzt einsam und frierend mehrere Tage in der Garage gestanden.